Dr. Rudolf Jettmar

ist seit der Grün­dung 2013 Leit­er der Prüf­stelle bei der Öster­re­ichis­chen Prüf­stelle für Rech­nungsle­gung (OePR) in Wien. Darüber hin­aus ist er Mit­glied der Über­nah­mekom­mis­sion. Zuvor war er langjährig als Vor­standsmit­glied bei der Öster­re­ichis­che Post AG und der Öster­re­ichis­che Verkehrskred­it­bank AG tätig.

finanzberichter­stat­tung

Qualitätsprüfung fördert Vertrauen der Anleger

Von Rudolf Jettmar / Illus­tra­tion: Anne Lück

Bei den von der Öster­re­ichis­chen Prüf­stelle für ­Rechnungs­legung (OePR) durchge­führten Enforcement­verfahren wer­den regelmäs­sig Fehler ­aufgedeckt – zum Nutzen von ­Unternehmen und Kap­i­tal­markt.

Die OePR wur­de mit der Inkraft­set­zung des neuen Rech­nungsle­gungs-Kon­trollge­set­zes errichtet (siehe Kas­ten). Sie hat seit 2014 57 Ver­fahren abgeschlossen. Dabei han­del­te es sich um 53 soge­nan­nte Stich­proben­ver­fahren, welche nach einen Zufall­sprinzip durchge­führt wer­den und drei Anlassprü­fun­gen, wenn ­Anhalt­spunk­te für einen Ver­stoss gegen die Rech­nungsle­gungsvorschriften beste­hen. Ein Ver­fahren wur­de im Auf­trag der ­Öster­re­ichis­chen ­Finanz­mark­tauf­sicht (FMA) durchge­führt. Bei den durchge­führten Ver­fahren hat die OePR in 23 Fäl­len Fehler fest­gestellt. Die Quote macht deut­lich, dass ein Enforce­mentver­fahren angesichts der hohen Kom­plex­ität der zu prüfend­en Sachver­hal­te Sinn macht. 

Zwei Fehler­arten: Qual­itäts- und Gestal­tungs­fehler

Grob gesprochen lassen sich zwei Fehler­arten erken­nen. Die erste Grup­pe kann mit dem Begriff «Qual­itäts­fehler» umschrieben wer­den. Vielfach wird zu wenig Augen­merk auf einzel­ne The­men (z. B. IAS 7) gelegt und es wer­den Detail­regelun­gen eines Stan­dards nicht immer voll­ständig beachtet. Des Weit­eren sind dieser Grup­pe Fehler zuzuord­nen, wo die vom Gesetz geforderten Angaben nur teil­weise und nicht im erforder­lichen Aus­mass offen­gelegt wer­den. Beim Aufdeck­en von «Qual­itäts­fehlern» geht es vielfach darum, dass dem Top­man­age­ment die Bedeu­tung eines qual­i­ta­tiv hochw­er­ti­gen Rech­nungswe­sens bewusst wird. Qual­itätsverbesserun­gen kön­nen ein­er­seits durch qual­i­ta­tive und quan­ti­ta­tive Verän­derun­gen im eige­nen Rech­nungswe­sen erzielt wer­den, aber auch ander­er­seits bei der Auswahl des aktien­rechtlichen Abschlussprüfers. Die zweite Grup­pe der Fehler­arten kann mit dem Begriff «Gestal­tungs­fehler» charak­ter­isiert wer­den. Fehler passieren hier durch wesentlich­es Über­schre­it­en von Gestal­tungsspiel­räu­men, unvertret­bare Prog­nosen (z. B. IAS 36, IAS 39) oder eine Ausle­gung von Stan­dard­stel­len, die sich in dieser Form wed­er aus der Fach­lit­er­atur noch aus all­ge­meinen geset­zlichen Inter­pre­ta­tion­sregeln ableit­en lässt. Bei dieser Fehler­art spie­len meist auch bilanzpoli­tis­che Über­legun­gen eine bedeu­ten­de Rolle. Solche Über­legun­gen wird es immer geben. Ein Enforce­ment kann jedoch dazu beitra­gen, dass die Begrün­dun­gen für das Aus­nutzen von Ermessensspiel­räu­men sorgfältig entwick­elt und dargelegt wer­den. Hier kommt dem Auf­sicht­srat eines Unternehmens eine beson­dere Rolle zu, da er beispiel­sweise Fra­gen zur Vertret­barkeit und Zuver­läs­sigkeit von Cash­flow-Prog­nosen ein­er kri­tis­chen Würdi­gung unterziehen muss. 

Hohe Akzep­tanz in Unternehmen 

Auch wenn einem klar sein muss, dass ein Enforce­mentver­fahren nicht ger­ade das ist, was sich ein Unternehmen wün­scht, so ist den­noch in Öster­re­ich ein hoher Grad von Akzep­tanz dafür festzustel­len. Da die OePR keine Behörde ist, ist sie auf die Mitwirkungszus­tim­mung eines Unternehmens angewiesen. Bis jet­zt haben alle Unternehmen ihre Zus­tim­mung zum Prü­fungsver­fahren durch die OePR bekan­nt­gegeben. Auch bei den von der OePR fest­gestell­ten Fehlern wur­den bis auf einen Fall alle Fehler­fest­stel­lun­gen von den Unternehmen akzep­tiert. So kann man mit Recht sagen, dass bei den Unternehmen ein hohes Mass an Ver­ständ­nis für ein Enforce­mentver­fahren vorhan­den ist. Äusserun­gen des ober­sten Man­age­ments gegenüber der Leitung der Prüf­stelle nach zu schliessen, wird es in den Unternehmen dur­chaus pos­i­tiv gese­hen, wenn rechtzeit­ig auf Män­gel im Rech­nungswe­sen eines Unternehmens hingewiesen wird. Diese Form ein­er guten Koop­er­a­tion zwis­chen Prüfer und Geprüften ist auch darauf zurück­zuführen, dass es bei den Prü­fun­gen zu inten­siven Dialo­gen kommt und dass die Prüf­stelle nur dann Fehler fest­stellt, wenn diese auch den geset­zlichen Bes­tim­mungen entsprechend als wesentlich anzuse­hen sind. Somit ist für die OePR eine Prü­fung nicht Selb­stzweck oder Besser­wis­ser­tum, son­dern sie ist als Beitrag zur Qual­itätsverbesserung des Berichtswe­sens zu sehen. So wird bei jed­er Fehler­fest­stel­lung eine Beratung mit­geliefert, wie ein Fehler ver­mei­d­bar gewe­sen wäre. Das wirkt nicht nur im geprüften Unternehmen präven­tiv, son­dern durch die Fehlerveröf­fentlichung bei allen Mark­teil­nehmern.

Es beste­ht weit­ge­hend Kon­sens darüber, dass mit der Stärkung des Ver­trauens der Kap­i­ta­lan­leger in die Richtigkeit der veröf­fentlicht­en Daten auch die Entwick­lung des öster­re­ichis­chen Kap­i­tal­mark­ts pos­i­tiv bee­in­flusst wird.

Auf Basis des Rech­nungsle­gungskon­trollge­set­zes (RL-KG) wur­de im Jahr 2013 die Öster­re­ichis­che Prüf­stelle für Rech­nungsle­gung (OePR) errichtet. Der unab­hängige pri­va­trechtliche Vere­in wird von Inter­essen- und Fachver­bänden, Wirtschafts- und Beruf­skam­mern getra­gen und ist vom Bun­desmin­is­teri­um für Finanzen anerkan­nt. Die Prüf­tätigkeit wird von weisungs­freien Fach­leuten durchge­führt. Die OePR hat ihre Tätigkeit im Früh­jahr 2014, d. h. mit dem Erscheinen der ersten Abschlüsse für das Jahr 2013, begonnen. (oepr-afrep.at)