Niklaus Küpfer

ist Senior Dig­i­tal Con­sul­tant im Team von Swiss­com Event & Media Solu­tions. Sein Fokus liegt auf dem Ein­satz von dig­i­tal­en Tech­nolo­gien zur Ver­mit­tlung emo­tionaler Inhal­te bei Cor­po­rate Events.

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Digitalisierung als Chance für die GV?

Kristin Köh­ler im Inter­view mit Nick Küpfer / Foto: zVg

Welche Möglichkeit­en ergeben sich auf­grund der Dig­i­tal­isierung für die GV?

Die Form und die Art der Durch­führung ein­er GV sind geset­zlich streng geregelt. Eine rein dig­i­tale, virtuelle Umset­zung ist daher zurzeit in der Schweiz noch aus­geschlossen. Im Bere­ich Kreativ­ität wur­den in den let­zten Jahren schon einige Sachen aus­pro­biert. Auf Share­hold­er-Por­tal­en kön­nen geziel­te Infor­ma­tio­nen als Vor­bere­itung zur GV platziert wer­den. Bewegt­bild­kom­mu­nika­tion erweist sich hier als attrak­tive Form, kom­plexe Infor­ma­tion zu ver­mit­teln. Die Über­tra­gung ein­er GV per Videostream­ing wird bere­its von vie­len Fir­men umge­set­zt. Ein The­ma, das im Zusam­men­hang mit der Mod­ernisierung immer wieder disku­tiert wird, ist der Ein­ladung­sprozess für die GV, in der Schweiz lei­der von Geset­zes wegen immer noch der Schriftlichkeit unter­liegend. Hier kön­nten in Zukun­ft mod­erne Guest-Man­age­ment-Tools mit Userver­i­fizierung zum Ein­satz kom­men. Mit der­sel­ben Iden­ti­fizierung kön­nen nach der Ver­anstal­tung Reports und Abstim­mungsre­sul­tate abgerufen und einge­se­hen wer­den.

Wer­den diese Möglichkeit­en ein­er­seits bere­its von Unternehmen genutzt und ander­er­seits von Aktionären nachge­fragt?

Der Ein­satz von dig­i­tal­en Tools wie Bewegt­bild­kom­mu­nika­tion und Televot­ing kommt haupt­säch­lich bei Fir­men mit mehr als 500 Share­hold­ern zum Zug. Ver­ständlicher­weise haben inter­na­tion­al agieren­de Fir­men hier die Nase vorn, obwohl durch den ver­mehrt dig­i­tal abgewick­el­ten Wertschriften­han­del auch nationale Unternehmungen zunehmend auf­sprin­gen. Die GV der Zukun­ft wird mein­er Mei­n­ung nach in den rechtlichen Teil Beschlussfas­sung, Ent­las­tung und den gesellschaftlich-sozialen Event aufgeteilt. Analog zur Briefwahl bei Volksab­stim­mungen kön­nen die Aktionäre in einem gegebe­nen Zeit­fen­ster auf ein­er Plat­tform die nöti­gen Infor­ma­tio­nen und Fra­gen abrufen und dann ihre Stim­me elek­tro­n­is­ch abgeben. Blockchain-Tech­nolo­gien sor­gen dabei für die nötige Sicher­heit. Der gesellschaftliche Teil kann durch die Befreiung der rechtlichen Schranken so in ein­er neuen Qual­ität stat­tfind­en. Neben Net­work­ing und Get-togeth­er ergibt sich hier eine Plat­tform für Respon­si­bil­i­ty- und Gov­er­nance-The­men.

Welch­es war für Sie die bish­er aufre­gend­ste GV?

Die SIKA GV 2016 in Baar war ein sehr inter­es­san­ter Case. Wegen der Uneinigkeit über die Über­nah­me­pläne durch Saint-Gob­ain haben einige grosse Share­hold­er zusät­zliche Trak­tanden während der Ver­anstal­tung einge­bracht. Die Auf­nah­me dieser Trak­tanden in die Abstim­mungsli ste wur­de durch ein Tele-Vot­ing-Sys­tem durchge­führt, so dass die Resul­tate in Echtzeit vor­la­gen. Ohne dieses Vot­ingsys­tem hät­te die ohne­hin schon acht Stun­den dauern­de GV sich wohl über Tage hinge­zo­gen. In Bezug auf Geschwindigkeit und Trans­parenz schaf­fen dig­i­tale Sys­te­me bere­its heute Unmit­tel­barkeit in der geforderten Qual­ität.