Zur Per­son:
Prof. Dr. Thomas A. Gutzwiller

1988 war Thomas A. Gutzwiller Mit­be­grün­der der inter­nationalen Beratungs­ge­sellschaft The Infor­ma­tion Man­age­ment Group (IMG), St. Gallen, deren CEO er von 1993 bis Anfang 2006 war. Seit 1993 ist Thomas A. Gutzwiller als Pri­vat­dozent und seit 2001 als Titular­professor für Betrieb­swirtschaft­slehre mit beson­der­er Berück­sich­ti­gung der Wirtschaftsin­for­matik an der Uni­ver­sität St. Gallen tätig. 2006 grün­dete er das Berat­ungs­unternehmen GWPart­ner AG, St. Gallen. Zudem ist er Delegiert­er der Exec­u­tive School for Man­age­ment, Tech­nol­o­gy and Law der Uni­ver­sität St. Gallen. Dem Ver­wal­tungsrat der St. Galler Kan­ton­al­bank gehört er seit 2006 an.

INter­view

«Investoren wollen Transparenz und Offenheit» 

Von Mar­tin Spiel­er / Foto: zVg

Im Gespräch mit Thomas A. Gutzwiller, Präsi­dent des Ver­wal­tungsrats der St. Galler Kan­ton­al­bank, die sowohl Investorin als auch selb­st an der Börse kotiert ist – und damit sowohl Stimme des Kap­i­tal­mark­ts als auch Empfänger sein­er Anforderun­gen ist.

Die St. Galler Kan­ton­al­bank ist sowohl Investorin als auch selb­st an der Börse kotiert: Welche Erwartun­gen hat der Kap­i­tal­markt und wie effizient ist er?

Infra­struk­tur aus. Die Han­del­barkeit der meis­ten Titel genügt unseren Anforderun­gen. Bei den Oblig­a­tio­nen sind wir neben den Neg­a­tivren­diten zunehmend mit der abnehmenden Liq­uid­ität kon­fron­tiert. Ausser­halb des Sek­tors der Eidgenossen-Anlei­hen und ein paar ander­er Grossan­lei­hen ist es oft schwierig, auch Posi­tio­nen guter Schuld­ner zu verkaufen. Die Händler sind oft nicht mehr bere­it, Anlei­hen auf ihr Han­dels­buch zu nehmen.

Die St. Galler Kan­ton­al­bank ist selb­st auch Investorin: Welche Anlagekri­te­rien haben für Sie Priorität?

Wichtig für uns ist eine klare Zuteilung der Risiken. So investieren wir lieber direkt in eine Aktie als in eine exo­tis­che Oblig­a­tion mit ver­steck­ten Aktien­risiken. Eine gute Han­del­barkeit ein­er Anlage auch in schwierigeren Zeit­en ist für uns eben­falls wichtig. So kön­nen wir sich­er­stellen, dass wir jed­erzeit hand­lungs­fähig sind und bei Bedarf die Risikopo­si­tion anpassen können.

Welchen Stel­len­wert haben für Sie Nach­haltigkeit­saspek­te wie Umwelt, Soziales und Governance?

Wir haben Kun­den, die gemäss vordefinierten Nach­haltigkeit­skri­te­rien investieren wollen. Ihnen bieten wir eine entsprechende Auswahl an Einze­lan­la­gen oder Pro­duk­ten an. Diese Kun­den sind bei uns aber eine Minderheit.

Inwiefern kön­nen Inve­storen in den Unternehmen dazu beitra­gen, dass Nach­haltigkeit­saspek­te tat­säch­lich ver­mehrt umge­set­zt werden?

Einzelne Inve­storen haben nur eine begren­zte Möglichkeit, den Druck auf die Unternehmen bezüglich Nach­haltigkeit­saspek­ten zu erhöhen, solange die erzielte Per­for­mance für das Gros der Inve­storen im Vorder­grund ste­ht. Es müsste stärk­er der Nach­weis kom­mu­niziert wer­den, dass nach­haltiges Investieren über Zeit zu ein­er über­durch­schnit­tlich guten Per­for­mance führt.

Was zeich­net eine gute Inve­storenpflege und Investoren­kommunikation aus?

Inve­storen wün­schen sich eine offene und trans­par­ente Kom­mu­nika­tion und möglichst wenig Über­raschun­gen. Anfra­gen von Ana­lysten und grösseren Inve­storen bei den Unternehmen soll­ten beant­wortet wer­den, was lei­der nicht immer der Fall ist.

Wie gestal­ten Sie die Inve­storenpflege bei der St. Galler Kantonalbank?

Wir kom­mu­nizieren intern und extern offen, trans­par­ent und proak­tiv. Anfra­gen von Medi­en, Ana­lysten und Inve­storen beant­worten wir zeit­nah. Anlässlich der Präsen­ta­tio­nen der Jahres- und der Hal­b­jahre­sergeb­nisse führen wir intern und extern mehrere Ver­anstal­tun­gen durch, bei denen der Präsi­dent der Geschäft­sleitung, teil­weise begleit­et durch den VR-Präsi­den­ten, per­sön­lich Rede und Antwort ste­ht. Es find­en hal­b­jährlich zwei Kon­feren­zen für Medi­en in St. Gallen und in Zürich statt, für Ana­lysten und Inve­storen ein sep­a­rater Anlass in Zürich. Finan­z­an­a­lysten und pro­fes­sionellen Inve­storen wird zudem aktiv die Möglichkeit für ein per­sön­lich­es bilat­erales Gespräch mit dem Präsi­den­ten der Geschäft­sleitung am Tag nach der Ergeb­nis­präsen­ta­tion ange­boten. Zusät­zlich zum Geschäfts­bericht und zu den Infor­ma­tio­nen auf unser­er Web­site erhal­ten unsere Aktionäre hal­b­jährlich einen Aktionärs­brief zum Geschäft­sergeb­nis mit Aus­führun­gen zu aktuellen The­men. Ähn­liche Infor­ma­tio­nen erhal­ten sie auch anlässlich der Generalversammlung.

Ver­trauen ist im Bankgeschäft, aber auch am Kap­i­tal­markt essen­ziell. Wie stärken Sie dieses Ver­trauen und sich­ern es langfristig?

Wie Sie richtiger­weise fest­stellen, ist das Ver­trauen ein zen­traler Erfol­gs­fak­tor im Bankgeschäft. Gle­ichzeit­ig ist das Bankgeschäft per se mit vielfälti­gen Risiken ver­bun­den. Somit ist die Stärkung und Sicherung des Ver­trauens eng mit dem Erken­nen, Einge­hen und Kon­trol­lieren der Risiken ver­bun­den. Dem Risiko­man­age­ment kommt deshalb bei der St. Galler Kan­ton­al­bank hohe Bedeu­tung zu. Entschei­dend für das Ver­trauen der ver­schiede­nen Anspruchs­grup­pen sind zudem die Arbeit und das Ver­hal­ten der Mitar­bei­t­en­den. So gilt es zum einen auf allen Stufen der Bank das ständi­ge Bewusst­sein für die hohe Bedeu­tung des Ver­trauens zu schaf­fen und dieses zum anderen mit Mass­nah­men und Instru­menten zu unter­stützen, zu sich­ern und zu überwachen.

Einzelne Inve­storen haben nur eine begren­zte Möglichkeit, den Druck auf die Unternehmen bezüglich Nach­haltigkeits­aspekten zu erhöhen.

Welche Rolle nehmen dabei der Ver­wal­tungsrat und Sie als Präsi­dent ein?

Für mich als Präsi­dent des Ver­wal­tungsrats ste­hen drei Aspek­te im Vorder­grund. Erstens: Ver­trauen ist eng ver­bun­den mit den Per­so­n­en, welche die St. Galler Kan­ton­al­bank repräsen­tieren. Meine Auf­gabe als VR-Präsi­dent ist es, eine sorgfältige Auswahl und Nach­fol­ge­pla­nung auf Stufe Ver­wal­tungsrat und Geschäft­sleitung sicherzustellen. Zweit­ens: Der Ver­wal­tungsrat ist ver­ant­wortlich für eine nach­haltige, trans­par­ente und nachvol­lziehbare Unternehmensstrate­gie und -poli­tik. Dies schafft Ver­trauen und gibt Sicher­heit für alle Anspruchs­grup­pen des Unternehmens. Drit­tens: Ver­trauen hat viel mit Kom­mu­nika­tion zu tun. Ver­schiedene Mass­nah­men dies­bezüglich habe ich bere­its erwäh­nt. Eine per­sön­liche, direk­te, offene und ehrliche Kom­mu­nika­tion schafft und pflegt Ver­trauen. Hier sehe ich eine wichtige Rolle des Verwaltungsratspräsidenten. 

Damit Ver­trauen am Kap­i­tal­markt geschaf­fen wer­den kann, braucht es Trans­parenz: Welche Rolle spielt für Sie das Report­ing bei der Inter­ak­tion mit und dem Ver­trauen­sauf­bau im Kapitalmarkt?

Wie bere­its erwäh­nt, sind Report­ing und Kom­mu­nika­tion gegenüber Medi­en, Öffentlichkeit und Finan­z­an­a­lysten wichtige Aspek­te auch bezüglich der Akteure im Kapitalmarkt.

Inve­storen wün­schen sich ­eine offene und trans­par­ente Kom­mu­nika­tion und möglichst wenig Überraschungen.

Welchen Ein­fluss haben aus Ihrer Sicht Non-Finan­cials – Fak­toren wie Ethik, Soziales, Umwelt, Nach­haltigkeit und Gov­er­nance – für das interne Report­ing und Man­age­ment sowie im exter­nen Reporting?

Bis vor 15–20 Jahren war die Kom­mu­nika­tion der Unternehmen gegenüber Inve­storen auf die ökonomis­che Dimen­sion konzen­tri­ert. Entsprechend waren auch interne Man­age­ment-Infor­ma­tion­ssys­teme auf finanzielle Aspek­te aus­gerichtet. Mit der Zeit gewann der in den 80er-Jahren des ver­gan­genen Jahrhun­derts geprägte Begriff der nach­halti­gen Unternehmensführung mit den drei Säulen «Ökonomie», «Ökolo­gie» und «Soziales» an Bedeu­tung und bee­in­flusste die Berichter­stat­tung der Unternehmen. Pos­i­tiv an dieser Entwick­lung ist, dass sich nicht nur die Berichter­stat­tung verän­dert hat, son­dern sowohl auf Seit­en der Unternehmen als auch auf Seit­en der Anspruchs­grup­pen haben nicht­fi­nanzielle Aspek­te die Betra­ch­tungsweise und die Diskus­sio­nen der unternehmerischen Leis­tung und das Ver­hal­ten bee­in­flusst. Mein­er Mei­n­ung nach ist dies eine pos­i­tive Entwick­lung hin zu ein­er umfassenderen, langfristig ori­en­tierten Betra­ch­tungsweise und Unternehmensführung.

Inwiefern wollen Kap­i­tal­mark­tak­teure mehr Infor­ma­tio­nen zu den Fak­toren Umwelt, Soziales und Gov­er­nance im Kon­text von Risiko­man­age­ment und langfristiger Per­for­mance haben?

Das Bedürf­nis nach Infor­ma­tion zu diesen Fak­toren nimmt zu. Das zeigt sich auch daran, dass diese The­men in den Geschäfts­bericht­en einen immer grösseren Stel­len­wert ein­nehmen. Die Unternehmen sind bestrebt, Good Cor­po­rate Cit­i­zens zu sein.

Was ist Ihnen per­sön­lich als VR-Präsi­dent beson­ders wichtig?

Ein gutes VR- und GL-Team. Offen­heit miteinan­der ist mir sehr wichtig. Eben­so wichtig ist eine gute Kul­tur, die sich ausze­ich­net ein­er­seits durch Dialogfähigkeit und ander­er­seits durch gute Entschei­dungs­find­ungs­find­ung in unklaren Sit­u­a­tio­nen oder auch unter Druck. Ganz wichtig ist mir ein Entwick­lungs­fokus für die Fir­ma und für die Men­schen in der Fir­ma. Wenn diese Ele­mente gepaart wer­den mit dem Willen zur Spitzen­leis­tung, dann wird sich eine länger­fristige nach­haltige Per­for­mance ein­stellen. Dies zum Wohle aller Stakeholder.

Eine per­sön­liche, direk­te, offene und ehrliche Kom­mu­nika­tion schafft und pflegt Vertrauen.